Leerstehende Immobilien in Deutschland - ein noch junges Phänomen
12. März 2012
Das herausragende Kennzeichen des deutschen Immobilienmarktes war über Jahrzehnte die sprichwörtliche Stabilität. Es existierte – von einigen Problembereichen abgesehen – eine Marktsituation, die vom Immobilieneigentümer dominiert wurde. Diese Situation änderte sich mit der deutschen Einheit und den ersten Regionen mit großen Leerstandsproblemen in Ostdeutschland. Dieser Trend hat sich mittlerweile im Westen Deutschlands fortgesetzt. Dort gibt es neben den strukturschwachen Regionen auch an den Topstandorten zum Teil sehr hohe Leerstände. Dies hat dazu geführt, dass ein zeitweiser Leerstand eine normale Erscheinung im Lebenszyklus der Immobilie geworden ist. Die momentanen Leerstände im Segment der Büroimmobilien untersteichen diesen Umstand.
Es wird unterschieden zwischen den Oberzentren und den Topstandorten. Zu den Oberzentren gehören Städte wie Bremen, Darmstadt und Hannover; zu den Topstandorten zählen die Städte Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Köln, München und Stuttgart. Während in den Oberzentren die Leerstandsquoten mit durchschnittlich 7,5% seit 2009 stabil sind (abgesehen von den „Ausreißern“ Dresden und Leipzig), ist die Entwicklung in den Topstandorten bedenklicher einzustufen:
Quellen: Feri, Bulwien, Prognose DZ BANK Research
Da an den einzelnen Standorten weiterhin gebaut wird und damit die vorhandene Fläche zunimmt, bedeutet dies, dass immer mehr Bestandsimmobilien nur noch unter Schwierigkeiten und damit nur mit größeren Verzögerungen zu vermieten sind. Die Leerstandszeiten werden folglich steigen. Dies führt zu einer immer größeren Belastung der betroffenen Immobilieneigentümer, da in den Zeiten des Leerstands nicht nur die Betriebskosten weiterlaufen, sondern auch zusätzliche Kosten entstehen. Die leerstehende Immobilie muss überwacht werden - sowohl im Hinblick auf technische Havarien als auch im Hinblick auf äußere Schäden, hervorgerufen beispielsweise durch Vandalismus.
Bisher wird dieser Situation nur dadurch begegnet, dass der traditionelle Weg beschritten wird: die Suche nach dem mittel- oder langfristigen Mieter.
Die kurzfristige Zwischennutzung ist eine Alternative, die sich in anderen Ländern wie Großbritannien und den Niederlanden bereits vielfach bewährt hat. Denn hiermit können die Leerstandskosten spürbar gesenkt werden.
